Checkliste Igelhilfe

Besonders im Herbst, aber zunehmend auch im Frühjahr und Sommer stellen sich viele Menschen die Frage: Wann braucht ein Igel wirklich Hilfe?

Mit diesem Leitfaden wollen wir Ihnen eine kleine Übersicht bieten, wann es tatsächlich erforderlich ist, einzugreifen.

Allgemein gilt natürlich: Ein Wildtier sollte nur aus seiner Umgebung entfernt werden, wenn es dringende Hilfe benötigt.

In den folgenden vier Fällen sollten Sie sich umgehend an eine Ihnen bekannte Igelstation in Ihrer Nähe, an einen igelkundigen Tierarzt oder das Tierheim richten.

Fall 1: Sie finden einen Igelsäugling außerhalb des Nests.

Ein menschliches Eingreifen ist hier dringend erforderlich, da derart junge Igel ohne das Muttertier noch nicht überlebensfähig sind. Bitte suchen Sie in einem solchen Fall unbedingt die Umgebung nach weiteren Jungtieren ab. Die Igelchen müssen außerdem unbedingt warmgehalten bzw. aufgewärmt werden. Dies gelingt am besten durch eine handwarme Wärmflasche oder eine PET-Flasche mit warmem Wasser. Sehen Sie bitte davon ab den Igelsäugling zu füttern. Dies kann zu lebensgefährlichen Verdauungsproblemen führen.

Fall 2: Sie finden ein etwas größeres Igelkind.

Etwas ältere Igelkinder verlassen ihr Nest von Zeit zu Zeit vermehrt selbständig. Bitte beobachten Sie zunächst lange genug (1-2 Stunden) aus der Entfernung, ob es sich tatsächlich um ein verwaistes Jungtier handelt oder ob das Muttertier nicht doch im Umkreis unterwegs ist.

Fall 3: Sie finden (im Spätherbst) einen Igel, der tagsüber unterwegs ist.

Ein Igel, der im Spätherbst tagsüber unterwegs ist, ist zwar nicht zwangsläufig hilfsbedürftig. Er kann zB. von einem anderen Tier (auch von Hunden) oder vom Lärm eines Laubbläsers erschreckt und aufgeweckt worden sein. Trotzdem sollte man sich solche Igel genauer ansehen. Vor allem im Spätherbst ist der Ernährungszustand des Igels sehr wichtig, da dieser Grundvoraussetzung für den Winterschlaf ist. Ein ausgehungertes Tier erkennen Sie an einer deutlich sichtbaren Einziehung hinter dem Rippenbogen und dem spitz zulaufenden Hinterteil, während ein gut genährter Igel hingegen eine rundliche Form aufweist.

  • Fall 4: Sie finden einen sichtlich kranken oder verletzten Igel.

    Folgende gesundheitliche Probleme können Sie mit bloßem Auge feststellen:

    • Hauterkrankungen: sichtbar durch großflächige kahle, schuppige oder auch verkrustete Partien oder Verlust von Stacheln
    • Atemwegserkrankungen: starkes Röcheln oder Nasenausfluss deutet i.d.R. auf ein schwerwiegendes Problem hin
    • Unnatürliches Verhalten: der Igel liegt ohne Deckung herum, torkelt, zeigt keine Fluchtreaktion und rollt sich bei Berührung nicht ein
    • Unterkühlung: der Bauch des Igels fühlt sich deutlich kälter an als Ihre Hand
    • Parasitenbefall: massiver Befall von Flöhen oder Zecken, Fliegeneier oder Maden
  • Aber auch Sie können bereits lebenswichtige Erstversorgung leisten.

    Schritt 1: Igel sichern und mit ins Warme nehmen

    • Tragen Sie zu Ihrem eigenen Schutz vor Krankheiten unbedingt Handschuhe. Um den Igel schmerzfrei anheben zu können empfehlen wir, ihn beidseitig unten am Bauch zu fassen oder ihn vorsichtig in ein Handtuch zu wickeln.
    • Vorsicht: Igel können gut klettern, am besten setzen Sie ihn in eine Transportbox oder eine hohe Kiste.

    Schritt 2: SOFORT auf Fliegeneier (weiß-gelbliche winzige Reiskörnchen) untersuchen!

    • Diese können sich leider sehr schnell zu Fliegenmaden entwickeln. Fliegen legen ihre Eier bei geschwächten oder verletzten Tieren vorzugsweise auf bzw. in Augen, Ohren, Genitalbereich/After und Wunden

    Schritt 3: Auf Verletzungen untersuchen (und ggf. in tierärztliche Hände übergeben)

    Schritt 4: Überprüfen, ob es sich um eine säugende Igeldame handelt

    • Hinweis dafür sind meist deutlich sichtbare, vergrößerte rosafarbene Zitzen.
    • In diesem Fall muss umgehend nach dem Nest und den Jungtieren gesucht werden. Diese müssen dann ebenfalls sichergestellt werden.

    Andere Maßnahmen:

    • Bei Unterkühlung eine handwarme Wärmflasche anbieten (ersatzweise PET-Flasche mit warmem Wasser)
    • wenn möglich Zecken entfernen
    • Gewicht und Funddatum/-ort notieren
    • Wassernapf anbieten
    • Kleine Mengen Futter anbieten (WICHTIG: Der Igel muss zuvor aufgewärmt werden!);
    • Geeignetes Futter ist: hochwertiges Katzennassfutter (mit einen Fleischanteil von mind. 60%), Katzentrockenfutter (ohne Getreide), ungewürztes Rührei
    • Ungeeignet: Milch, Obst, Gemüse, Brot, Haferflocken, Vogelfutter und Küchenreste

     

    Doch bereits vor dem Eintreten solcher Notfälle können Sie den Igeln in Ihrer Umgebung im Herbst helfen, sich auf den bevorstehenden Winterschlaf vorzubereiten, indem Sie ihnen in Ihrem Garten Futter und igelgerechte Schlafplätze zur Verfügung stellen.

Prinzipiell können sie den Igeln in ihrer Umgebung im Herbst helfen sich auf den bevorstehenden Winterschlaf vorzubereiten, indem Sie ihnen Futter und Igelgerechte Schlafplätze im Garten zur Verfügung stellen.

Hier ein paar Tipps für den igelfreundlichen Garten:

  • Laub, Reisighaufen, Gestrüpp etc. im Garten liegen lassen
  • Ein Winterquartier anbieten („wilde Ecke“ im Garten, besonders geeignet sind regen- und windgeschützte Standorte zwischen Sträuchern und Mauern)
  • Igelhaus mit getrocknetem Laub und etwas Stroh auffüllen (Igelhäuser gibt es in Zoofachhandlungen und Baumärkten zu kaufen; DIY-Bauanleitungen findet man im Internet)
  • Futter geschützt aufstellen, gerne im Futterhaus (Schutz vor Katzen)
  • Ganzjährig Wasser anbieten
  • Keine Mähroboter verwenden!
  • Keine Laubbläser / Laubsauger
  • Keine Rasentrimmer an unübersichtlichen Stellen
  • Kein Schneckenkorn/ Pestizide/ Rattengift/ Kunstdünger
  • Keine Bierfallen für Schnecken
  • Lichtschächte/ Löcher/ Gruben mit feinmaschigem Gitter abdecken
  • Kellertreppen abschotten oder Aufstiegshilfe anbieten
  • Ausstiegsbrett o.ä. falls Gartenteich vorhanden
  • Durchschlupfmöglichkeit zum Nachbargarten (Maße: 13 x 13 cm)
  • Keine Mäuse- oder Rattenfallen
  • Vogelschutznetze nicht zu nah über dem Boden
  • Garagen/ Gartenhäuser/ etc. vor dem Absperren auf Tiere absuchen

Die Igel werden es Ihnen danken!